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Der “Tilt-Shift-Effekt”

Autor: admin Datum: Januar 21, 2012 tags: , , ,

Der Tilt-Shift-Effekt, auch Diorama Illusion genannt, lässt gewöhnliche Alltagsszenen wie kleine Spielzeugwelten erscheinen:
Winzige Straßenbahnen, Minimenschen auf Baustellen, ein Schloss mit Park “en miniature”. Bei diesen Aufnahmen wurde die Tilt-Shift-Technik angewendet. Inzwischen bedienen sich sogar Werbespots dieser Spielzeugland-Ästhetik: Allstate Tilt-Shift Commercial oder Choc Tilt Shift commercial.
 

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Der Tilt-Shift-Effekt:
Um die Illussion einer Miniaturwelt zu erzeugen, benötigt man ein Tilt-Shift-Objektiv:

Diese Optiken waren ursprünglich dazu da, unerwünschte stürzende Linien bei Architekturaufnahmen zu vermeiden. Durch Verschwenken des Linsensystems lässt sich die Schärfeebene verlagern. Sie kann an die gewünschte Objekt- oder Handlungsebene angepasst werden. Das dient einerseits technischen Zwecken (durchgehende Schärfe in einer schiefen Ebene) und andererseits als bildgestalterisches Mittel. Bewusst eingesetzte selektive Schärfe wird verwendet, um geringere Schärfentiefe zu simulieren. So kann man damit auch den Miniatur-Effekt erzeugen. Tilt-Shift-Optiken gibt es ab 1000 Euro.

Es geht aber auch günstiger: Mit Bild- bzw. Videoverarbeitungsprogrammen lässt sich ein ähnlicher Eindruck erzielen. Allerdings ist der Arbeitsaufwand erheblich größer. Man benötigt eine herkömmliche Videokamera und Schnitt- oder Composite-Software (z.B. die kostenlosen Programme Davinci Resolve Lite und Lightworks public).

Das Tilt-Shift-Rezept
Am wichtigsten ist es, aus einer erhöhten Positionen zu drehen – ähnlich dem Blickwinkel des Menschen auf eine Modelleisenbahn. Rund um den Handlungspunkt muss die Schärfe nach außen hin stark abnehmen. Das läßt sich entweder mit der bereits erwähnten Tilt-Shift-Optik, oder mit der Hilfe von Software bewerkstelligen. Im Computerprogramm wird die Videosequenz anschließend um das zwei- bis vierfache beschleunigt. Autos, Bahnen und Personen sehen jetzt aus wie ferngesteuert. Durch die Erhöhung der Farbintensität wird dann das Bild knallig bunt “eingefärbt”. Alles erscheint unwirklich überhöht – eben wie aus dem Modellbaukasten.
 
 
“Workflow”-Beispiel:

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Wurde alles richtig gemacht, stellt sich beim Betrachten die Illusion einer Miniaturwelt ein. Die Ursache dafür liegt in unseren Sehgewohnheiten: Das Gehirn interpretiert aus der scheinbar geringen Tiefenschärfe die Größe der Objekte im Bild. Wir sind gewohnt, dass Makroaufnahmen meist nur einen kleinen Schärfebereich aufweisen. Zusammen mit den künstlichen Bewegungen und den unnatürlich intensiven Farben glauben wir, eine Modellwelt zu betrachten.

Für manche Videoschnittprogramme gibt es Plugins, die die Arbeit erleichtern (Final CutPro ShrinkRay X zu 75 USD, oder Adobe Premiere ProDAD Vitascene V2 Pro zu 120 USD). Effektiver lässt es sich allerdings mit einer Tilt-Shift-Optik arbeiten: Verschiedene “Tiefenschärfe-Fake”-Einstellungen können vor Ort mit wenigen Handgriffen schnell durchprobiert werden. Schon am Drehort ist zu erkennen, ob der Modellwelt-Effekt eintritt. Selbst ein gut durchdachter Bildaufbau, der erst nachträglich am Schnittplatz “miniaturisiert” wird, garantiert nicht das Gelingen der Illusion. In der Postproduktion lassen sich die Aufnahmen natürlich nicht mehr variieren. Alternative Bildausschnitte erfordern dann den gefürchteten “Nachdreh”.

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